Gemeinsame Momente des Blinden- und Sehbehindertenvereins (BSV) und des Baumberge Vereins (BBV) nahe Stift Tilbeck am Samstag, 12. September 2026
Mitte September 2026 war es wieder soweit: Zum zweiten Mal fand eine gemeinsame, ereignisreiche Inklusionswanderung statt, die den Baumberge Verein (BBV) und den Blinden- und Sehbehindertenverein Münster (BSV) zusammenführte. 16 wanderfreudige Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich am Münsteraner Hauptbahnhof, um gemeinsam mit dem Bus zum Stift Tilbeck zu reisen – dem Ausgangspunkt für ein ganz besonderes Naturerlebnis unter dem Motto „Wandern mit (fast) allen Sinnen“.
Bewusste Sinneswahrnehmung auf dem Weg in die Baumberge
Bereits auf den ersten Metern abseits der Bushaltestelle wurde es kontrastreich: Bevor der Weg in die ruhige Natur führte, ging es entlang einer belebten Hauptstraße. Hier stand bewusst das Hör-Sinnesorgan im Fokus, indem die Geräusche des Straßenverkehrs intensiv wahrgenommen wurden. Im direkten Kontrast dazu öffnete sich kurz darauf der friedliche Wald der Baumberge.
Am historischen Mordkreuz legten die Wandernden einen kurzen Stopp ein. Die Geschichte dieses alten Flurkreuzes, die an das tragische Schicksal einer Meierschen (Bauersfrau) aus vergangenen Jahrhunderten erinnert, wurde lebendig vermittelt und verband Naturerlebnis mit regionaler Kulturgeschichte.
Natur aktiv erleben: Quellen, Balancieren und Tastsinn
Entlang des Quellen- und Waldweges passierte die Gruppe die ausgetrocknete Tilbecker Bachquelle, bevor an einem Baumstamm der Gleichgewichtssinn auf die Probe gestellt wurde. Dank der hervorragenden und aufmerksamen Unterstützung der Begleitpersonen balancierten alle Teilnehmenden über den Baumstamm.
Ein leichter Anstieg forderte im Anschluss den Tiefensinn heraus, während an einer darauffolgenden Station der Geschmackssinn auf spielerische Weise getestet wurde – mit salzigen Crackern, bitterer Schokolade, sauren Apfelstücken und selbstgebackenen Müsliriegeln als süßer Stärkung. Auch der Tastsinn kam nicht zu kurz: An einer Eiche und einer Buche konnten die unterschiedlichen Rindenstrukturen direkt ertastet und verglichen werden (raue Borke bei der Eiche, glatte Rinde bei der Buche).
Die Hexenquellen und der Barfußpfad
Ein absolutes Highlight vor der Rückkehr zum Stiftsgelände war der Stopp an den Hexenquellen (auch bekannt als „Hexenpütt“ oder „Sieben Quellen“), einem faszinierenden und sagenumwobenen Naturdenkmal. Hier tritt das Wasser an mehreren Stellen direkt aus einer anstehenden Kalksteinwand aus. Das ist die Besonderheit der Baumberge: Sie wirken wie ein riesiger Schwamm – Regenwasser versickert im kalkhaltigen Sandstein, stößt tiefer im Boden auf eine wasserundurchlässige Tonschicht und tritt an den Hängen als Springquelle wieder an die Oberfläche.
Zurück auf dem Gelände des Stiftes Tilbeck lud der dortige Barfußpfad zu weiteren Sinnenreizen ein. Fühl- und Balancierstationen sowie ein erholsames Fußbad im Wassertretbecken sorgten für puren Genuss und Erfrischung.
Gemütlicher Ausklang und Ausblick auf 2027
Nach so vielen Eindrücken stand den Wandernden der Sinn nach Kaffee und Süßem. Im Café im Stift Tilbeck fand der Tag bei angeregten Gesprächen und einem gemeinsamen Rückblick auf die vergangenen Stunden einen wunderbaren Ausklang, ehe es nach der Rückkehr zum Münsteraner Hauptbahnhof Abschied nehmen hieß.
Herzlichen Dank!
Ein besonders herzliches Dankeschön gilt dem engagierten Orgateam sowie allen Begleitpersonen, die mit viel Feingefühl auf die individuellen Bedürfnisse der blinden Teilnehmenden eingingen und diesen Tag erst möglich machten.
Fazit der Wanderung: Es war wieder eine spannende und intensive Wanderung, die vielen neue Sichtweisen mitgegeben und sehr viel Spaß gemacht hat. Die Begleitpersonen lernten, auf die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung einzugehen und konnten definitiv ihre eigenen Erfahrungen erweitern.
In 2027 geht es weiter!