Im Jahr 2015 konnte das Kupferrelief von Dr. Fritz Westhoff gerade noch rechtzeitig vor Metalldieben gerettet werden. Nun ist das Relief zusammen mit einer neuen Gedenktafel zum Longinusturm zurückgekehrt.

Freuen sich über die Rückkehr von Kupferrelief und Bronzegedenktafel (v.l.): Cafébetreiber Wilhelm Wesseln mit Josef Räkers, Vorsitzender des Baumberge Vereins, und Metallrestauratorin Cordula Juffernbruch.
 
Freuen sich über die Rückkehr von Kupferrelief und Bronzegedenktafel (v.l.): Cafébetreiber Wilhelm Wesseln mit Josef Räkers, Vorsitzender des Baumberge Vereins, und Metallrestauratorin Cordula Juffernbruch. Foto: Ulla Wolanewitz
Nach einer kleinen Auszeit von drei Jahren ist er nun wieder da: Dr. Fritz Westhoff. Viele Monate verbrachte er im schützenden Asyl, bevor ihm eine nachhaltige Frühjahrskur bewilligt wurde. Das Kupferrelief aus dem Jahr 1900 mit einem Gewicht von etwa 12 Kilogramm zeigt den Mitgründer des Baumberge-Vereins, im Volksmund auch Dr. Longinus genannt. Der Botaniker und Heimatforscher starb 1896 an den Folgen einer Tetanusinfektion. „Vorausgegangen war eine Verletzung, die er sich an einem Stacheldraht bei seinen Erkundungen in den Baumbergen zugezogen hatte“, weiß Josef Räkers, Vorsitzender vom Baumberge-Verein. Westhoff zählte zu den Akteuren, die den Bau eines Aussichtsturmes auf dem Westerberg, der 1901 vollendet wurde, initiiert hatten. Da lag es nahe, dass seine Mitstreiter ihm ein Denkmal setzten.

Tatsächlich verweilte dieses Relief über einhundert Jahre an der  Eingangsseite des Turms. In bester Gesellschaft eines Reliefs seines Nachfolgers Prof. Joseph Vaders und von drei weiteren Gedenktafeln, die wichtige Meilensteine in der Geschichte des Turmes markierten. Wohlgemerkt: Markierten! Im Herbst 2015 wurden diese allesamt Beute von Metalldieben. „Die haben sogar die Kupferdachrinnen vom Pavillon mitgenommen“, erinnert sich Café 18|97-Betreiber Wilhelm Wesseln. „Westhoff konnten wir gerade noch retten.“ Der alte Fritz hing wohl zu hoch für die Klauböcke und blieb zunächst zurück. Deshalb legte Wilhelm Wesseln selbst Hand an und brachte ihn in Sicherheit.

Die letzten Wochen verbrachte das gute Stück nun auf der Beauty-Farm von Metallrestauratorin Cordula Juffernbruch am Niederrhein. Nein, hier wurde er nicht nur gewaschen und geföhnt, sondern richtig fachmännisch wieder auf Vordermann gebracht. Dr. Longinus erhielt sozusagen ein komplettes Face-Lifting, schließlich hatten sich über die Jahre „hier einige Vogelexkremente einpatiniert“, so die Expertin. Auch hatte sich der Heimatforscher irgendwo unterwegs eine verbeulte Nase eingefangen und die Zeit ihm einige Narben versetzt. Die Schönheitschirurgin für Metall hinterlegte das gute Stück an dünnen und schadhaften Stellen mit Glasfaser und lötete dort, wo es machbar war.

Die Kosten für diese Wellness-Aktion trägt der Baumberge-Verein, unterstützt von der LEADER-Initiative für die Region Baumberge. Diese Kooperation ermöglichte auch die Anfertigung einer neuen Bronze-Gedenktafel. Sie erinnert daran, dass der Radiomechaniker Reinhold Holtstiege aus Havixbeck hier im Februar 1952 erstmalig in Westdeutschland öffentlich Fernsehen vorführen konnte. Unter anderem heißt es: „Anwesend waren der Physiker Dr. Paul Reif, der Innugsobermeister Erich Schulze und 25 Zuschauer. Die ersten Bilder kamen vom holländischen Versuchssender Lopik“. Der „Innugsobermeister“ musste schon auf der Originaltafel auf ein „n“ verzichten, weil das dem damaligen Schriftsetzer wohl durch die Lappen gegangen war. „Wir wollten das in der Neuauflage korrigieren. Aus Denkmalschutzgründen war uns das aber nicht erlaubt“, bemerkt Josef Räkers zu dieser urigen Anekdote.

Nun hängt die Tafel fest verankert, so wie sie ursprünglich war, wieder an der Eingangsseite. Und der alte Fritz? Der hat ein gutes, neues Plätzchen gefunden: Direkt im Eingangsbereich begrüßt der Heimatforscher, dessen freundliche Miene erst auf den zweiten Blick erkennbar ist, jetzt alle Gäste, die dort ein und aus gehen.