Longinusturm auf dem Westerberg
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Geschichte des Baumberge-Verein e.V. Münster (BBV)

Unter dem Motto "Wandern und Kultur" engagieren sich Mitglieder des Baumberge-Vereins seit über 100 Jahren. 1896 erfolgte seine Gründung durch Mitglieder der "Geographia", einem Zusammenschluss interessierter, heimatbegeisterter Herren, die sich schon seit 1884 in der "Geographischen Gesellschaft" zusammengefunden hatten 

Der Baumberge-Verein Münster (BBV) wurde nach den Baumbergen, der hügeligen Erhebung westlich von Münster benannt. Gebündelte Ilexblätter, eine typische Pflanze dieser Gebiete wurde zum Vereinszeichen.

Dr. Fritz Westhoff - Dr LonginusDer Geograph und Naturwissenschaftler Dr. Fritz Westhoff, wegen seine Größe (1,92m) auch Dr. Longinus (lat. der Lange) genannt, war der 1. Vorsitzende des BBV. Seine Bücher (1893/1896) über Fauna und Flora, der erdgeschichtlichen Entwicklung sowie den historisch gewachsenen Strukturen, Kultur und Brauchtum gelten auch im 21. Jh. als wichtige Informationsquelle für Wanderer und Heimatforscher. Leider verstarb "Dr. Longinus" 1896 schon im Alter von 39 Jahren. Sein Nachfolger war Prof. Dr. Felix Hase (1896-1897). Ihm folgte Prof. Josef  Vaders. Er lenkte die Vereinsgeschicke einige Jahrzehnte bis 1931. Mit der Errichtung des "Vadersteins" (1926) oberhalb der Gaststätte Waldfrieden wurde ihm eine besondere Ehrung zuteil.

Der Baumberge-Verein nahm Jahrzehnte nur männliche Mitglieder auf, die bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges ihre rege Wandertätigkeit fortführten. Doch ab hier wurden sie zahlreich zum Wehrdienst eingezogen. Über die gefallenen Vereinsmitglieder sind leider keine Infos vorhanden, da das Haus des "Kriegsvorsitzenden" Werner Schmidt-Hern  zerbombt wurde und somit u.a. alle Vereinsunterlagen vernichtet worden sind. Nach Kriegsende und der Währungsreform 1949 wurde der Verein durch Werner Schmidt-Hern neu belebt.

Fünf Jahre später, ab 1954 konnten auch wander-begeisterte Damen dem Verein beitreten. Heute sind sie deutlich in der Überzahl bei einer Gesamtstärke von ca. 120 Vereins-Mitgliedern.

Bis in die späten 70 iger Jahre des 20. Jh. bestand das Programm des BBV aus je einer Tages- und Halbtagswanderung im Monat. Ab 1978 erfolgte erstmals seit Vereinsgründung eine Programmerweiterung indem einige Mitglieder mehrtägige Rucksackwanderungen durchführten. In den folgenden Jahren wurden ergänzend Ferienwanderungen sowie mehrtägige Radtouren in das Programm aufgenommen. Zur Zeit führt der BBV zwei Tageswanderungen pro Monat durch. Darüber hinaus wird seit Jahren das Programm  durch eine Halbtagswanderung an allen Donnerstagen ergänzt. Hier wird die nahe Umgebung von Münster erkundet.

1983 wurde zum 1. Mal in der Geschichte des Baumberge-Vereins eine Frau - Else Zöllner - zur Vorsitzenden gewählt. Sie schrieb die Vereinschronik zum 100-jährigen Vereinsjubliläum und führte den Verein ins neue Jahrtausend. Sie wurde bei ihrem Abschied vom Verein zur Ehrenvorsitzenden gewählt. Seit 2000 nimmt Klaus Sommerhoff den Vorsitz wahr und nimmt die Funktionen des Teamsprechers und Geschäftsführers wahr.

Seit 1978 gehört der BBV dem "Stadtheimatbund e.V." an, früher Arbeitsgemeinschaft der Heimatvereine und ist in jedem Herbst bei der Gestaltung der "Niederdeutschen Tage" im Programm vertreten.

1989 stellte der Baumberge-Verein der Öffentlichkeit einen neuen Wanderweg von Münster nach Oldenzaal/Holland, den "Hollandgängerweg" vor. Er erinnert an jene Wanderarbeiter des 18. und 19. Jh. die aus Gegenden des Nordmünster- und Emslandes sich nach Holland aufmachten, um sich mit Hilfsdiensten ein Zubrot zu verdienen.

Ab 1994 entstand unter Mithilfe des Baumberge-Vereins der X 1648 Westfälischer – Friede - Weg. Bis 1998 d.h. 350 Jahre nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges wurden "Friedenseichen" auf diesem Wanderweg gepflanzt. Die vom BBV gestiftete Eiche steht kurz vor der Wallburg Haskenau in Münster Handorf.
1996 erhielt der Verein die Eichendorff-Plakette mit Urkunde. Diese Auszeichnung wird an Heimat- und Wandervereine, die 100 Jahre bestehen, verliehen. Sie geht an Vereine, die sich auf dem Gebiet der Heimatpflege, der Heimatkultur und des Naturschutzes besondere Verdienste erworben haben und wird vom Bundespräsidenten unterzeichnet und vom Landes-Kulturminister verliehen.


Geschichte des Longinusturms

AnteilsscheinDer Longinusturm ist ein 32 Meter hoher Aussichtsturm, der vom Baumberge-Verein zwischen 1897  und 1901  auf dem höchsten Gipfel des 187,61 m hohen Westerberges in den Baumbergen im westlichen Münsterland errichtet wurde. Er gilt seit je her als Wahrzeichen der Baumberge. Von seiner Besucherplattform bietet er einen grandiosen Ausblick bis weit in die Münsterländische Parklandschaft. Als Baumaterial wurde seinerzeit Baumberger (Kalk-) Sandstein gewählt, der noch heute in den Steinbrüchen in der direkten Umgebung des Longinusturmes abgebaut wird.

Der Turm ist auch heute noch Wahrzeichen und Eigentum des Baumberge-Vereins e.V. Münster.

Benannt ist der Turm nach Dr. Fritz Westhoff, "Longinus" (lat. der Lange) aufgrund seiner überragenden Körpergröße (1,92 m).Er war der Initiator zum Bau des Turmes.
Sein Nachfolger Prof. Dr. Felix Hase  (1896-1897) stellte die Weichen für den Turmbau. Unter dem Vorsitzenden Prof. Josef  Vaders (1898-1931) wurde 1901 der Turm fertig gestellt, nachdem die Finanzierung gesichert und Auflagen der Behörden erfüllt wurden.

LonginusturmIm 1. Weltkrieg (1914-1918) wurde der Turm durch die Heeresverwaltung als Fliegerbeobachtungspunkt genutzt. In der Nachkriegszeit mit seinen Folgen und der hohen Inflation in den Zwanziger Jahren konnte der Verein notwendige Reparaturarbeiten nicht mehr finanzieren. Ab 1923 wurde deshalb ein Obolus für die Besteigung des Turmes erhoben und somit waren die Reparaturen möglich.

Im 2. Weltkrieg diente der Turm wieder militärischen Zwecken (Funkverkehr) und erhielt kurz vor Kriegsende auch noch einen Artillerietreffer an der Nord-West-Ecke. Mit einem Kassenbestand von 81,79 DM am Tag der Währungsreform war eine Reparatur nicht möglich.

Zwei Jahre später, 1951 konnte die Bundespost den Turm nutzen und durch die heute noch existierenden Aufbauten ergänzen bei gleichzeitiger Beseitigung der Kriegsschäden. Der Turm wurde zur "Fernmeldestelle Baumberge" für den Telefonverkehr im westlichen Münsterland. 1952 stellte Reinhold Holtstiege erstmalig in Westdeutschland am "Longinusturm" öffentliches Fernsehen vor. Die allerersten Bilder, die gesendet wurden kamen vom Holländischen Fernsehversuchssender Lopik bei Rotterdam und konnten hier auf dem Longinusturm in den Baumbergen empfangen werden.
1979 beschädigte ein Sprengstoffanschlag - durch rechtsradikale Kreise verursacht - den Turm beträchtlich. 1989 verließ die Bundespost den Standort Longinusturm. Probleme der künftigen Nutzung und Kostendeckung mussten vom Baumberge - Verein gelöst werden. Umfangreichen Sanierungsmaßnahmen (Stromversorgung, Zu- und Abwasserregelung) wurden im Rahmen des finanziell Möglichen in Angriff genommen.

1991 wurde der Longinusturm unter Denkmalschutz gestellt.

1995  konnte das Cafe "Türmchen" eröffnet werden. 1996 wurde das Cafe "Longinus" von der Familie Broeker eröffnet und bis heute betrieben. Mit dieser Familie gewann der Verein einen treuen Pächter, der auch für die Besucher die Turmbesteigung regelt. Seit 1999 konnte der Verein verschiedene Pachtverträge mit Telekommunikationsfirmen abschließen und so finanzielle Mittel für die dringend gewordenen Instandsetzungsmaßnahmen ansparen.
Am 25.08.2001 wurde der Longinusturm 100 Jahre alt. Otto Buchholz hat dazu eine Publikation erstellt.

In 2007 konnte der Verein unter Leitung der Vereinsmitglieder Josef Rawe (Turmwart) und Ronald Fischer (Projektberater) in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Hülsmann, Münster  - nach jahrelanger gründlicher Vorarbeit in Planung, Finanzierung und der Einwerbung von öffentlichen Fördermittel - den ersten Bauabschnitt  der Turm-Sanierung (Abdichtung der Plattformen) in Angriff nehmen und bereits in 2008 abschließen. In 2009 wurde die Sandsteinfassade des Turmes gerichtet. Dieses erfolgte durch Abschälen der losen Schichten, Ausstemmen der Fugen und durch den Ersatz falsch eingesetzter bzw. maroder Sandsteinquader und deren Neuverfugung.

Insgesamt hat die Verjüngungskur des Longinusturmes dem Baumberge-Verein bisher ca. 355.000,00 € gekostet. Ein Großteil der Finanzierung wurde durch öffentliche Fördermittel der EU, aus Denkmalpflegemittel des Landes und durch die NRW-Stiftung sichergestellt, der Verein finanzierte selber einen fünfstelligen Betrag durch Bankkredite. Die noch anstehenden restlichen Sanierungsarbeiten im Umfeld des Turmes wird der Verein in 2012ff im Rahmen des finanziell Möglichen beauftragen.


Entstehungs-Geschichte der Baumberge

Der Name des Höhenzuges Baumberge lässt sich nicht von "Baum" ableiten. Er entwickelte sich aus dem Wort "Bomberg". Nach Ansicht der Sprachforscher handelt es sich um eine Verschmelzung des altdeutschen Wortes "Bo"  gleich Bau für Wohnung, Haus und Hof und dem Wort "Odin" dem Namen der höchsten germanischen Gottheit.

AmmonitBo-oden also der "Oden" von Haus und Hof, der Gott als Beschützer der Heimstätte. Danach wäre der Bomberg ( Bo-odenberg) der Berg des Oden als der Schutzgott der Wohnung. Er mag hier auf dem hohen Plateau von 187,61 m eine besondere Verehrung, oder gar eine bedeutende Kultstätte gehabt haben.

Der Höhenzug der Baumberge gehört zu den landschaftlichen Besonderheiten des Münsterlandes. Seine Entstehung ist auf die Ereignisse der Kreidezeit und die Vereisungsperioden des Pleistozäns zurückzuführen. Zunächst hinterließen warme Meere in 60 Millionen Jahren mächtige Ablagerungen in Form von Mergel und Kalken. Darin finden sich Versteinerungen verschiedener Art.

Bei dieser Erhebung handelt es sich somit nicht um ein echtes Gebirge, wie es durch Faltungen gebildet wird. Vielmehr sind es härtere Ablagerungen, die der Verwitterung mehr widerstanden und deshalb heute aus der sandigen Eiszeit-Ablagerung herausragen. Die Eiszeiten mit ihren Gletschern überdecken diese Schichten mit lockeren Sanden und Sandmergeln, Gesteinsschutt und Geröllen. Stellenweise ragen die Meeresablagerungen der Kreidezeit daraus hervor sowie die Hügelkette der Baumberge im Städtedreieck Münster- Coesfeld- Steinfurt. Als Kalksandsteine gebrochen wurden sie zum Bau von Häusern, Kirchen und repräsentativen Gebäuden verwendet. So auch zum Bau des Longinusturmes.
 
Versteinerungen verschiedener Art - unter anderem der größte Ammonit der Welt - wurden bei dem Dorf Seppenrade gefunden. Dieser kann heute im Naturkunde-Museum in Münster besichtigt werden.

IlexEine typische Pflanze der Gegend ist die Ilex – seit über 100 Jahren auch Vereinszeichen des Baumberge - Vereins Münster. Sie wird häufig als Ziergehölz angebaut. Es gibt viele verschiedene Zuchtformen, die alle zur Familie der Aquifoliaceae, der Stechpalmengewächse gehören.
Doch sollte man sich vor den Stechpalmen in Acht nehmen. Die Blätter mit den verlockend roten Beeren enthalten sehr giftige Stoffe. Die Giftstoffe führen zu Erbrechen, Magen - und Darmbeschwerden und Durchfälle. Die ersten Vergiftungserscheinungen können schon nach dem Verschlucken von nur zwei Beeren auftreten. Die Menge von 20 bis 30 Beeren ist lebensbedrohlich.


Almuth Wienand, Kulturwartin 
Dr. Friedrich-Wilhelm Oellers
25.02.2012